Expedition Innenwelt, Band 2

Werner Huemer

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Détails

Was ist der Wesenskern des Menschen? Was wirkt Geist? Woher stammt unser Bewußtsein?

Diese „Expedition Innenwelt“ sucht nach Antworten auf die Kernfragen unseres Seins: Leben wir nach dem Tod weiter?
Leben wir öfter als nur einmal? Wann, wo und wie beginnt unser Sein – und warum leben wir überhaupt?
Dem Leser erschließt sich bei dieser „Expedition“ ein Ausblick, der moderne Forschungsergebnisse und religiöse Erfahrungen miteinander vereint.

Eine faszinierende Reise zum Ich – und zugleich ein wertvoller Lebenshilfe-Wegweiser.

Informations complémentaires
Auteur Werner Huemer
ISBN 978-3-87860-372-6
Format 14 x 22 cm
Présentation Leinen mit Umschlag
Nombre de pages 304
Langue Deutsch
Délai de livraison 1-6 Tage
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Extrait

 

Kapitel 6

Jenseits des Diesseits

„Verständnislos, einsam steht eine Seele in dem Sterbezimmer. Verständnislos, da sich der Mensch, der auf dem Lager liegt, in seinem Erdenleben sträubte, an ein Fortleben nach Ablegen des grobstofflichen Körpers zu glauben, der sich deshalb nie mit dem Gedanken ernst befaßte und alle die verlachte, welche davon sprachen.

Verwirrt schaut er um sich. Er sieht sich selbst auf seinem Sterbelager, sieht ihm bekannte Menschen weinend darum stehen, hört deren Worte, die sie sprechen, und fühlt auch wohl den Schmerz, den sie dabei empfinden in der Klage, daß er nun gestorben sei. Lachen will er und rufen, daß er ja noch lebe! Er ruft! Und muß verwundert sehen, daß sie ihn nicht hören. Wieder und wieder ruft er laut und immer lauter. Die Menschen hören nicht darauf, sie klagen weiter. Angst beginnt in ihm emporzusteigen. Er hört doch seine Stimme selbst ganz laut und fühlt auch seinen Körper deutlich.

Noch einmal schreit er in Beklemmung auf. Niemand beachtet ihn. Sie blicken weinend auf den stillen Körper, den er als den eigenen erkennt, und den er doch plötzlich als etwas Fremdes, ihm nicht mehr Gehörendes, betrachtet; denn er steht mit seinem Körper ja daneben, frei von jedem Schmerz, den er bisher empfunden hat.

Mit Liebe ruft er nun den Namen seiner Frau, die an seinem bisherigen Lager kniet. Das Weinen aber läßt nicht nach, kein Wort, keine Bewegung zeigt, daß sie ihn hörte. Verzweifelt tritt er auf sie zu und rüttelt derb an ihrer Schulter. Sie merkt es nicht. Er weiß ja nicht, daß er den feinstofflichen Körper seiner Frau berührt und diesen rüttelt, nicht den grobstofflichen, und daß die Frau, welche gleich ihm nie daran dachte, daß es mehr gibt als den Erdenleib, seine Berührung ihres feinstofflichen Körpers auch nicht fühlen kann.

Ein unsagbares Furchtgefühl läßt ihn erschauern. Schwäche des Verlassenseins drückt ihn zu Boden, sein Bewußtsein schwindet.“1

Vor rund 75 Jahren, als Abd-ru-shin in seiner Gralsbotschaft den Vortrag „Abgeschieden“ veröffentlichte, aus dem das einleitende Zitat stammt, mochten materialistisch gesinnte Zeitgenossen über solche Schilderungen skeptisch die Nase gerümpft haben. Was weiß man schon vom Sterben oder gar vom Leben nach dem Tod? Das ist doch alles bloß Spekulation!

Natürlich kann man auch heute noch ähnliche Reaktionen beobachten, denn unsere Weltanschauung hat sich in den letzten Generationen ja längst nicht vom Materialismus verabschiedet. Eines jedoch hat sich grundlegend geändert: Zumindest in der Wissenschaft wird der Sterbeprozeß nicht mehr tabuisiert. Seit etwa 30 Jahren beschäftigt sich ein Forschungszweig, die Thanatologie2, mit Erfahrungen am Ende unseres Lebens. Autoren wie Dr. Raymond Moody oder Dr. Elisabeth Kübler-Ross sind weltweit durch Publikationen bekannt geworden, in denen sie sogenannte Nahtoderlebnisse zusammenfaßten. Derlei Schilderungen kommen zustande, wenn jemand von der Schwelle des Todes doch noch einmal ins physische Leben zurückkehren konnte – obwohl er vielleicht sogar schon als „klinisch tot“ galt. Heute schätzt man, daß weltweit bereits 50 Millionen Menschen solche Nahtoderlebnisse hatten.3

Ganz offensichtlich durchlebt jeder Mensch bei Sterben bestimmte Stationen. Alles folgt dem gleichen „Fahrplan“.

Die Befragung solcher Patienten hatte vielfach recht unspektakulär begonnen – Ärzte und Philosophen4 sind eben auch Menschen und als solche interessiert an der Frage, ob das Leben nach dem Leben weitergeht. Man ließ die Betroffenen also berichten, zeichnete deren Aussagen auf, schrieb exakte Statistiken – und geriet dabei ins Staunen: Ganz offensichtlich nämlich durchlebt jeder Mensch beim Sterben bestimmte Stationen, egal ob Mann oder Frau, unabhängig von Religion, Bildung und auch Alter. Selbst bei kleinen Kindern verläuft, wie man feststellen konnte, das Sterben nach dem gleichen „Fahrplan“ wie bei Erwachsenen. Und mit diesen Forschungen wurden auch die Schilderungen der Gralsbotschaft eindrucksvoll bestätigt. Denn die eingangs zitierte „Ausleibigkeitserfahrung“ ist tatsächlich eines der zentralen, immer wieder beschriebenen Ereignisse beim Abscheiden des Menschen.

Im letzten Kapitel zum ersten Band dieses Buches hatten wir den Lebensweg einer Frau ein Stück begleitet, die ihren geliebten Mann verloren hatte. Er war einer schweren Krankheit erlegen.

Stellen wir uns nun – auf Basis der Ergebnisse der Sterbeforschung – vor, wie dieser Mann selbst sein Hinübergehen erlebt haben könnte …

Stationen des Sterbens

Schwer atmend lag er auf dem Sterbebett. Seine körperliche Bedrängnis näherte sich ihrem Höhepunkt, seine Gedanken zeichneten Bild um Bild, doch mit zunehmend langsamem, kraftlosem Strich. Was sein Inneres bewegte, das konnte sich nun, in dieser schlafähnlichen Entrücktheit, nicht mehr zeigen. Kein Lächeln mehr, das über sein Gesicht spielte, auch keine Träne. Der erschöpfte Körper war dem Leben kaum noch verbunden.

War da nicht die Liebe seiner Frau, ihre spürbare Nähe, ihr fühlbarer Wunsch, ihn zurückzuhalten von diesem letzten Willensakt des Loslassens? Und als sie kurz das Zimmer verließ, als ihre Wärme etwas ferner schien, da gab er sich hin. –

Nun aber war ihm, als durchpulste ihn plötzlich glühendes Leben. Eine rasende Fahrt durch das eigene Erdensein begann, die ihm alle Tief- und Höhepunkte vergangenen Erlebens machtvoll ins Bewußtsein rückte. Alles, was in den vielen Jahren seiner Seele je einen Stempel aufgedrückt hatte, war nun gleichzeitig da – mit allen Sinnen erfahrbar, in aller Lebendigkeit zugegen. Und zugleich war auch klar, ohne Zweifel, ohne Selbsttäuschung, was gut war an all dem und was nicht.

Im nächsten Augenblick – es konnte nicht mehr als ein kurzer Moment gewesen sein – hörte er, wie der Stationsarzt ihn für tot erklärte. Und zugleich war ihm, als würde er kraftvoll durch einen dunklen Tunnel gezogen. Er vernahm nur noch ein tiefes, durchdringendes Brummen, bis er plötzlich wieder die vertraute Umgebung erkennen konnte: das Krankenhauszimmer, in dem er die letzte Zeit verbracht hatte, den Arzt, seine trauernde Frau am Bett, einige andere Verwandte, die abseits standen.

Dann aber fiel sein Blick … auf seinen eigenen Körper!

Ja, was er da vor sich sah, nicht wie im Spiegel, sondern erstmals in der ganzen dreidimensionalen Räumlichkeit, das war … er selbst!?

Nie hatte er sich ernsthaft mit der Möglichkeit eines Lebens nach dem Leben befaßt. So wurde ihm als überwältigende Erfahrung vorerst nur klar, daß er sich außerhalb seines bisherigen Leibes befand – und dennoch auch selbst einen Körper hatte.

Er rief seine Frau, laut und deutlich – doch sie hörte ihn nicht.

Er rief die Umstehenden – doch niemand reagierte, während er selbst alle Anwesenden in einer seltsamen Gesamtschau wahrnehmen konnte.

Es kam ihm vor, als würde er deren Gedanken kennen, noch bevor sie diese aussprachen. Zugleich aber machte sich ein drückendes Gefühl der Verlassenheit in ihm breit, denn selbst das Bemühen, seine Frau unsanft an der Schulter zu rütteln, blieb von dieser wie von allen anderen unbemerkt …

Lebensrückschau – Tunnelerlebnis – Ausleibigkeitserfahrung – erweiterte Wahrnehmungsmöglichkeiten: diese Erlebnisse an der Schwelle des Todes werden von der Sterbeforschung immer wieder dokumentiert, und es bestehen kaum noch Zweifel daran, daß tatsächlich jeder Mensch am Ende seines Lebens bestimmte Stationen durchlebt.

Große Unsicherheit gibt es indes in der Beantwortung der Frage, wie man diese Schilderungen interpretieren soll. Es gibt nur wenige Wissenschaftler, die die unzähligen dokumentierten Todesnähe-Erfahrungen als Beweise für ein Leben nach dem Tod gelten lassen. Die etablierte Fachmeinung geht eher dahin, daß im Gehirn ein bestimmtes Programm abläuft, das uns als Schutzmechanismus für Extremsituationen derlei Erlebnisse vorspielt.

Wäre dies ein Buch nur über Sterbeforschung, müßte man sich nun natürlich eingehend damit beschäftigen, welchen Stellenwert die beschriebenen Nahtoderlebnisse wirklich haben und was alles dafür oder dagegen spricht, daß wir durch den Tod (nicht) sterben. Diese Argumentationsarbeit kann hier aber unterbleiben. Schließlich haben wir uns ja schon im ersten Band dieses Buches eingehend mit der menschlichen Innenwelt beschäftigt und dabei feststellen können, daß der Mensch nicht ein Körper ist, sondern einen Körper hat. Unser Bewußtsein ist nicht im Gehirn zuhause, sondern hat seinen Sitz im Seelisch-Geistigen. Was man üblicherweise als „Bewußtsein“ bezeichnet – das sogenannte Tag- oder Wachbewußtsein – ist nur eine besondere Form desselben, die sich aus der Verbindung unseres eigentlichen, geistigen Bewußtseins mit den Funktionen des physischen Körpers ergibt.

Unser Bewußtsein wird daher durch den Tod nicht ausgelöscht. Was indes geschieht, ist die Auflösung der bis dahin festen Verbindung zwischen Leib und Seele. Für den Sterbeprozeß spielt auf der körperlichen Ebene meistens die Veränderung der Blutausstrahlung, wie sie sich durch Krankheit oder Alter ergibt, eine auslösende Rolle. Doch über den Verlauf des Abscheidens, dessen Geschwindigkeit und Schwere, entscheidet nicht nur die körperliche, sondern ebenso unsere seelische Verfassung!

Der „silberne Strick“

Damit erhellen wir nun weitgehend unbekannte Zusammenhänge, die sich nicht mehr ohne weiteres aus den Statistiken der Sterbeforschung herauslesen lassen. So manches Geheimnis rund um des Tod des Menschen läßt sich aber lüften, wenn wir unsere bisher gewonnenen Erkenntnisse über die Innenwelt mit in Betracht ziehen. Daß unser Seelenzustand beim Sterbevorgang und in der Frage, wie schnell und schmerzlos sich die Lösung vom physischen Körper vollziehen kann, eine wichtige Rolle spielt, erklärt sich aus der Tatsache, daß unsere Gedanken feinstofflich formend wirken.5 Das heißt: die Art unseres Denkens bildet nicht nur eine freudig-lichtvolle oder aber bedrückend-dunkle Innenwelt-Umgebung aus, sondern sie zeigt sich auch direkt im Dichtheits- und Schweregrad des feinstofflichen Körpers6. „Der Geist bildet den Körper“, heißt es – und mehr noch als für die grobstoffliche Hülle gilt dieser Aphorismus für unseren Seelenkörper. Jemand, dessen Lebensweg der inneren Veredelung verpflichtet ist, wird daher einen wesentlich leichteren, ätherisierteren feinstofflichen Körper besitzen als ein betonfester Materialist, für den nur die physische Realität und sonst nichts Wirklichkeitswert hat.

Die Beschaffenheit des Seelenkörpers entscheidet mit darüber, ob jemand einen leichten oder schweren Tod erleidet.

Die Beschaffenheit des Seelenkörpers entscheidet demnach mit darüber, ob jemand einen leichten oder schweren Tod zu durchleben hat. Denn es zieht sich, vom feinstofflichen Körper ausgehend, ein nabelschnurartiger Verbindungsstrang zum sterbenden Leib, der die gleiche Dichte wie die Seele hat. Dieser geheimnisvolle Strang wurde von hellsichtigen oder innerlich stark erschütterten Menschen schon oft geschaut. Er wird in der einschlägigen Literatur meist als „Silberschnur“7 bezeichnet, ist schon seit biblischen Zeiten bekannt – Salomo sprach im Alten Testament vom „silbernen Strick“8 – und spielt bei unserem Abscheiden von der grobstofflichen Welt eine tragende Rolle: Erst dann nämlich, wenn der „Silberstrick“ endgültig zerfallen ist, kann der Mensch – oder besser gesagt: die zurückgelassene Hülle – wirklich als tot betrachtet werden, weil das belebende Element sich endgültig zurückgezogen hat. Bis dahin übermittelt die Silberschnur, ins Zentrum des sogenannten Sonnengeflechts mündend, dem abstrebenden Bewußtsein immer noch Informationen aus dem Körper, beispielsweise Schmerzgefühle. Das heißt zwangsläufig: Wer sich infolge seiner Lebenseinstellung einen dichteren feinstofflichen Körper gebildet hat, dessen „Nabelschnur“ kann bei der – wie es die Gralsbotschaft ausdrückt – „Geburt in die feinstoffliche Welt“ zur regelrechten Fessel werden:

„Der Vorgang des Todes selbst ist weiter nichts als die Geburt in die feinstoffliche Welt. Ähnlich dem Vorgange der Geburt in die grobstoffliche Welt. Der feinstoffliche Körper ist mit dem grobstofflichen Körper nach der Lösung eine Zeitlang wie durch eine Nabelschnur verbunden, die um so weniger fest ist, je höher der also in die feinstoffliche Welt Geborene seine Seele schon in dem Erdensein nach der feinstofflichen Welt hin entwickelt hat.

Je mehr er sich selbst durch sein Wollen an die Erde kettete, also an das Grobstoffliche, und so von dem Fortleben in der feinstofflichen Welt nichts wissen wollte, desto fester gefügt wird durch dieses sein eigenes Wollen auch diese Schnur sein, die ihn an den grobstofflichen Körper bindet, und damit auch sein feinstofflicher Körper, dessen er als Gewand des Geistes in der feinstofflichen Welt bedarf.

Je dichter aber sein feinstofflicher Körper ist, desto schwerer ist er nach den üblichen Gesetzen, und desto dunkler muß er auch erscheinen. Er wird sich durch diese große Ähnlichkeit und nahe Verwandtschaft mit allem Grobstofflichen auch sehr schwer von dem grobstofflichen Körper lösen, so daß es vorkommt, daß ein solcher auch die letzten grobstofflich-körperlichen Schmerzen noch mitfühlen muß, sowie den ganzen Zerfall in der Verwesung. Bei Verbrennung bleibt er ebenfalls nicht unempfindlich. (…)

Anders mit den Menschen, die den Aufstieg zu allem Edleren schon in dem Erdensein begannen. Weil diese die Überzeugung des Schrittes in die feinstoffliche Welt lebendig in sich tragen, ist die Loslösung auch viel leichter. Der feinstoffliche Körper und mit ihm die Verbindungsschnur ist nicht dicht, und dieser Unterschied in ihrer gegenseitigen Fremdheit mit dem grobstofflichen Körper läßt die Loslösung auch sehr schnell erfolgen, so daß der feinstoffliche Körper während des ganzen sogenannten Todeskampfes oder der letzten Muskelzuckungen des grobstofflichen Körpers schon lange neben diesem steht, wenn überhaupt von einem Todeskampfe bei normalem Sterben eines solchen Menschen gesprochen werden kann. Der lose, undichte Zustand des Verbindungsstranges läßt den danebenstehenden feinstofflichen Menschen keinerlei Schmerzen mitempfinden, da dieser leichte Verbindungsstrang in seinem undichten Zustande keinen Schmerzleiter vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen abgeben kann.“9

Es hat also schon seinen guten Grund, wenn man nach dem sogenannten „klinischen Tod“10 traditionell ein wenig zuwartet, ehe die „sterblichen Überreste“ der Erde oder den Flammen überantwortet werden.

Folgt man den Darlegungen der Gralsbotschaft, so müßten die Tage, die zur irdischen Vorbereitung einer Beisetzung nötig sind, der abscheidenden Seele im Normalfall ausreichend Zeit für eine endgültige Loslösung bieten, sofern sie nicht zu sehr an ihrer physischen Hülle „hängt“. Aber wer wollte seine Hand dafür ins Feuer legen, daß beispielsweise ein Mensch, der sich sein Leben lang an Reichtum und Besitz klammerte, ein verantwortungsvolles Seelenleben indes ablehnte, die „Stunde der Wahrheit“ nicht überaus schmerzvoll erfahren muß?

Tatsächlich kann im Extremfall tage-, ja, wochenlang nach der Todesdiagnose über die noch nicht vollständig aufgelöste Silberschnur eine letzte Verbindung zum Körper bestehen, weil die Seele durch deren Dichtheit daran gehindert wird, von ihrem „Kokon“11 abzustreben.

Und noch etwas kann dem ruhigen und raschen Abscheiden eines Menschen, der seinen Erdenweg vollendet hat, hinderlich sein: übertriebener Trennungsschmerz seitens der Angehörigen:

„Die bei einem Sterbenden weilenden Menschen aber seien gewarnt, daß sie nicht in lautes Klagen ausbrechen. Durch den zu stark gezeigten Trennungsschmerz kann der in Loslösung begriffene oder vielleicht schon danebenstehende feinstoffliche Mensch ergriffen werden, es also hören oder fühlen. Erwacht dadurch in ihm das Mitleid oder der Wunsch, noch Trostesworte zu sagen, so bindet ihn dieses Verlangen wieder fester mit dem Bedürfnis, sich den schmerzerfüllt Klagenden verständlich bemerkbar zu machen.

Irdisch verständlich machen kann er sich nur unter Zuhilfenahme des Gehirnes. Das Bestreben aber zieht die enge Verbindung mit dem grobstofflichen Körper nach sich, bedingt sie, und deshalb kommt als Folge, daß nicht nur ein noch in Loslösung begriffener feinstofflicher Körper sich wieder enger mit dem grobstofflichen Körper vereinigt, sondern daß auch ein bereits danebenstehender losgelöster feinstofflicher Mensch nochmals zurückgezogen wird in den grobstofflichen Körper. Endergebnis ist die Wiederempfindung aller Schmerzen, deren er schon enthoben war.

Die erneute Loslösung erfolgt dann weit schwerer, sie kann sogar einige Tage anhalten. Dann entsteht der sogenannte verlängerte Todeskampf, der für den sich Lösenwollenden wirklich schmerzhaft und schwer wird. Schuld daran sind die, die ihn aus der natürlichen Entwicklung durch ihren egoistischen Schmerz zurückriefen.

Durch diese Unterbrechung des normalen Laufes erfolgte eine neue, gewaltsame Bindung, sei es auch nur durch den schwachen Versuch einer Konzentration zur Verständlichmachung. Und diese widernatürliche Bindung wieder zu lösen, ist dem damit noch vollkommen Unbewanderten nicht so leicht. Geholfen kann ihm dabei nicht werden, da er selbst die neue Bindung wollte.

Diese Bindung kann leicht eintreten, solange der grobstoffliche Körper noch nicht ganz erkaltet ist und der Verbindungsstrang besteht, der oft erst nach vielen Wochen zerreißt. Also eine unnötige Qual für den Hinübergehenden, eine Rücksichtslosigkeit und Roheit der Umstehenden.

Deshalb soll in einem Sterbezimmer unbedingte Ruhe herrschen, ein der bedeutungsvollen Stunde entsprechender würdiger Ernst!“ ...